Geschichte - Teil 1

Geschrieben von Paul Weiler

Der Ursprung der kriegerischen Künste

Obwohl der Ursprung der kriegerischen Künste nicht genau zu bestimmen ist, ist es eine Tatsache, dass

Menschen immer ihre Hände und Füße für ihren (Selbst-) Schutz gegen Feinde und wilde Tiere verwendet

haben. Einige der ältesten Aufzeichnungen (auf Pyramidenhieroglyphen) stammen aus Ägypten (ca. 4000

v. Chr.). Im europäischen Raum ergeben sich konkretere Hinweise aus Aufzeichnungen, die auf Kreta und

in Griechenland gefunden wurden (Olympische Spiele der Antike – 8 Jhrd. v. Chr./z. B. Pankration =

Allkampf). Im Asien finden sich Aufzeichnungen aus Indien, China, Japan und natürlich Korea.

Daraus lässt sich ableiten, dass die Menschen ihre (Hand- und Fuß-) Techniken den Gegebenheiten ihrer

Umwelt anpassten und unterschiedlich entwickelten.

Der Einfluss Chinas auf die Entwicklung Koreas

Geographisch gesehen grenzt die koreanische Halbinsel im Norden an China (Mandschurei). Durch

Kolonianisierung um ca. 1200 v. Chr. bis zum Han-Fluss zeigt sich der Einfluss Chinas auf Choson (=

Land der Morgenstille/alter Name Koreas) in den Bereichen Landwirtschaft (Reisanbau), Kriegsführung

(Verwendung von Bronze und Eisen), Gesellschaftsstruktur, Religion, Sprache und Kultur. Dennoch wird

die Bevölkerung nicht unterdrückt, sondern hat ihre Freiheiten. Während dieser Zeit macht sie auch

Bekanntschaft mit einer Form des chinesischen Hand- und Fußkampfes (Kwon-Bop/basierend auf Kung-

Fu).

Obwohl die koreanische Bevölkerung durch den chinesischen Einfluss die Bekanntschaft mit Waffen

macht, entwickelt sie eigene Systeme wie Ringen und Handkampf, um sich gegen Feinde und Tiere zu

verteidigen. Archäologische Funde (z. B. Wandbilder in einigen königlichen Gräbern der Koguryo-Dynastie

– siehe Bild) könnten einen Hinweis auf die Körper-Position einer kriegerischen Kunst darstellen, die ein

Vorläufer des Taekwon-Do sein könnte.

Die Zeit der drei Königreiche

Shilla (57 v. Chr. – 936 n. Chr.), im Südosten der Halbinsel gelegen und durch Gebirgsketten von seinem

westlichen Nachbarn Paekche (18 v. Chr. – 660 n. Chr.) getrennt, war das kleinste der drei Königreiche.

Es entwickelte sich durch die räumliche Trennung anders, als die Nachbarn im Westen bzw. Norden.

Der Reichtum Shillas basierte auf der Landwirtschaft. Zudem gab es kaum Bedrohungen durch Überfälle.

Deswegen stand nicht der kriegerische, sondern zunächst der landwirtschaftliche Aspekt im Vordergrund.

Koguryo (37 v. Chr. – 668 n. Chr.), im Norden gelegen, war wegen seiner Nähe zu China und der

veränderten Kolonialpolitik (Expansion) des chinesischen Volkes in zahlreiche Kämpfe um die

Unabhängigkeit verstrickt. Diese Tatsache prägte auch die Menschen, die für ihren Mut und ihre

kriegerischen Künste (Subak) bekannt wurden. In einer speziellen „Kriegerorganisation = Sonbae“

wurden die Mitglieder zu ausgezeichneten Kampfkünstlern ausgebildet.

Paekche hatte freundschaftliche Beziehungen zu den chinesischen Kolonialmächten., wodurch auch seine

kulturelle Entwicklung geprägt wurde. Paekche wiederum hatte Einfluss auf die japanische Kultur

(konfuzianistische Ideale) und brachte durch Einwanderer auch Subak nach Japan.

Die Vereinigung der koreanischen Halbinsel

Geprägt durch die kriegerischen Auseinandersetzungen mit seinen nördlichen Nachbarn und bestrebt, die

Landesgrenzen zu erweitern, erreichten die Expansionsbemühungen Koguryos im 5. und 6. Jhrd. n. Chr.

ihren Höhepunkt. Dabei wurde nicht nur China militärisch bedroht, sondern auch das kleine, südlich

gelegene Shilla. Um sich gegen diese Übergriffe zur Wehr setzen zu können, wurden in Shilla die

kriegerischen Künste (Subak = Handkampf und Taekkyon = Fußkampf) besonders gefördert. Zur

Verteidigung des Landes wurde die Jugendorganisation „Hwarang-Do“ gegründet, in die nur

ausgezeichnete Kampfkünstler Aufnahme fanden.

Als der große Staatsführer von Koguryo, Yon Gae Somoon starb, verbündete sich Shilla mit der

chinesischen Tang-Dynastie. Diese Allianz vernichtete Paekche (660 n. Chr.) und Koguryo (668 n. Chr.)

und es kam zur Vereinigung der koreanischen Halbinsel unter der Regierung des Shilla-Reiches. Einer der

leitenden Generäle war Kim Yoo Sin, ein Hwarang-Krieger. Shilla musste allerdings nördliche Gebiete des

ehemaligen Koguryo an die Tang-Dynastie abgeben.

Geschichte - Teil 2

Geschrieben von Paul Weiler

Mittwoch, 15. März 2006

Die Bedeutung der Hwarang-Do Jugendorganisation für die Entwicklung der Kampfkünste

Wie bereits erwähnt, hatte die Jugendorganisation Hwarang-Do (= Weg der „Blumenjugend“) einen

maßgeblichen Anteil an der Vereinigung der drei Königreiche. Ursprünglich wurden die jugendlichen

Mitglieder im Bogenschießen und kulturellen Dingen wie Lesen, Schreiben und Ethik unterrichtet. Bedingt

durch die Expansionspolitik angrenzender Staaten und die damit verbundenen militärischen

Auseinandersetzungen wurden aber auch kriegerische Künste wie Reiten, Schwimmen, Jagd, Ringkampf,

Fußkampf (Taek Kyon) und Handkampf (Soo Bak-Gi) erlernt. Während der zweimal im Jahr stattfindenden

Jagdfeste wurden die Sieger besonders geehrt und erhielten den Titel „Sonbe“. Sie sollten als

neue Anführer im Krieg fungieren und erreichten oftmals den Rang eines Generals (siehe Kim Yoo Sin).

Offensichtlich haben die Hwarang-Krieger dem Fußkampf zu neuer Blüte verholfen, indem sie ihn

kampftauglich machten und ebenso den ursprünglich primitiven Handkampf (Soo Bak Gi) verfeinert.

Einige Historiker sind der Ansicht, dass die Hwarang-Krieger die Vorläufer der japanischen Samurai-

Krieger waren.

Soo bak Gi und Taek Kyon in der Koryo-Dynastie (935 – 1392 n. Chr.)

Soo Bak Gi spielte eine bedeutende Rolle in der Koryo-Dynastie und wurde zum Nationalsport. Nicht nur

das gemeine Volk sondern selbst der König hatte großes Interesse an dieser Art des unbewaffneten

Kampfes und ließ jährlich im Mai einen Wettkampf abhalten. Die Sieger wurden mit einem bedeutenden

Regierungsposten belohnt. Der König verpflichtete auch alle Soldaten, an diesen Wettkämpfen

teilzunehmen.

Taek Kyon war gewissermaßen der Vorgänger des Soo Bak Gi. Es war ein Kampfkunstsystem der sehr

„harten Art“ und bestand hauptsächlich aus Fußtechniken. Es wurde vornehmlich von Soldaten ausgeübt

und für Zivilisten sogar verboten. Sie übten es nur noch unter strenger Geheimhaltung aus.

Die Joseon- oder Yi-Dynastie (1392 – 1910)

Eine anti-militärische Einstellung in der Yi-Dynastie führte einerseits zur zivilen Aufklärung, sie

kennzeichnete aber auch

andererseits den Niedergang der kriegerischen Künste in Korea. Soo Bak-Gi und Taek Kyon wurden nur

noch von einzelnen Lehrern oder in Familienclans vom Vater an den Sohn weitergegeben. Han Kyo

erforschte während der Herrschaft des Königs Sunjo (1567 – 1608) die kriegerischen Künste und stellte

ein Buch mit über 70 Techniken zusammen, um sich gegen Feinde zu verteidigen. Dieses Buch stellt

möglicherweise die ersten schriftlichen Aufzeichnungen über das Training der kriegerischen Künste dar.

Die Vernachlässigung der Künste in militärischen Kreisen führte zu einer erheblichen Schwächung des

Verteidigungspotenzials und hatte ernsthafte Auswirkungen. Korea wurde zum Spielball der

angrenzenden Machthaber. Japan nutzte 1592 die Gelegenheit der leistungsschwachen koreanischen

Armee und eroberte innerhalb kürzester Zeit den gesamten Südteil Koreas einschließlich der Städte

Pusan und Seoul.

Koreanische Patrioten wollten sich mit dieser Invasion aber nicht abfinden und begannen, die ihnen noch

immer bekannten und geläufigen Künste in einem Krieg der Bandenstrategie einzusetzen, der schließlich

dazu führte, dass sich die Japaner nach Süden zurückziehen mussten. Der bekannteste unter ihnen, Yi

Sun Sin entwickelte ein „Schildkrötenschiff“ (mit Eisenplatten verkleidetes Schiff), mit dessen

Rammsporn er viele japanische Schiffe versenkte. Diese waren schließlich nach sieben Jahren dazu

gezwungen, ihre Invasion aufzugeben.

Nach Beendigung des Krieges verstärkte die königliche Regierung die Bemühungen, das Militär wieder

aufzubauen und den kriegerischen Künsten erneut mehr Beachtung zu schenken. 1790 gab König T’aejo

ein amtliches Lehrbuch in Auftrag, welches die koreanischen kriegerischen Künste zusammenfassen

sollte. Das „Muyedobo-Tongji“ gilt heute als deren Klassiker.

Es beinhaltet viele Einzelheiten des kriegerischen Trainings, erklärt die korrekte Ausrüstung und

beschreibt verschiedene Formen des Handkampfes. Des Weiteren beschreibt es die Vorteile des Taek

Kyon, den Körper, Arme und Beine zu trainieren, um jeder kritischen Situation gewachsen zu sein.

Das Buch war ein wichtiger Faktor, Taek Kyon am Leben zu erhalten.

Am 22.08.1910 wurde Korea durch Japan besetzt und die Ausübung der koreanischen kriegerischen

Künste unter Strafe gestellt.

Geschichte - Teil 3

Geschrieben von Paul Weiler

Mittwoch, 15. März 2006

Die kriegerischen Künste während der Zeit der japanischen Besatzung (1910 – 1945)

Während der Zeit der japanischen Besatzung war die Ausübung der koreanischen kriegerischen Künste

verboten und viele Koreaner hatten auch das Interesse daran verloren. Die wenigen Personen, die die

Künste noch praktizierten, waren dazu gezwungen, dies im Geheimen zu tun. Damit war die Anzahl ihrer

Schüler auch sehr stark begrenzt. Gleichzeitig gingen etliche Koreaner zur Fortbildung nach Japan oder

China.

Nach Beendigung der japanischen Besatzung kehrten viele Exil-Koreaner mit Kenntnissen in Judo, Karate

und anderen Kampfkünsten in ihre Heimat zurück. Zur Bildung neuer koreanischer Kampfkünste

kombinierten sie ihre Kenntnisse der Handtechniken aus China, Japan und Okinawa mit den Fußtechniken

des Taek Kyon.

Die Entwicklung der koreanischen Schulen (Kwans) nach der Befreiung Koreas

Abhängig von den eigenen Vorkenntnissen und der Zielsetzung wurden nach 1945 die fünf bedeutensten

Schulen (= Kwans) gegründet. Diese waren:

Chung Do Kwan (Begründer: Lee Won Kuk/gegr. 1945), Stilrichtung: Tang Soo Do (die ersten

Schwarzgurte waren: Nam Tae Hi, Han Cha Kyo, Jhoon Rhee/vergleiche ITF)

Ji Do Kwan (Begründer: Chun Sang Sup/gegr. 1945), Stilrichtung: Kong Soo Do

Moo Duk Kwan (Begründer: Hwang Kee/gegr. 1945), Stilrichtung: Tang Soo Do

Chang Moo Kwan (Begründer: Yoon Byung In/gegr. 1946), Stilrichtung: Kwon Bup Bu

Song Moo Kwan (Begründer: Ro Byung Jik/gegr. 1946), Stilrichtung: Karate

Aus diesen Schulen entwickelten sich unzählige Splittergruppen (in den 50iger Jahren gab es ca. 40

Gruppen), von denen Oh Do Kwan (Begründer: General Choi Hong-Hi und Nam Tae Hi/ gegr. 1953,

Stilrichtung: Karate und Tang Soo Do), Jung Do Kwan (Begründer: Lee Wong Woo/gegr.1954,

Stilrichtung: Tang So Doo), Han Moo Kwan (Begründer: Lee Kyo Yoon/gegr. 1956, Stilrichtung:

Tang Soo Do) und Kang Duk Won (Begründer: Hong Jong Pyo und Park Chul Hee/gegr. 1956,

Stilrichtung: Kwon Bup Bu) als bedeutende zu nennen sind. Revolutioniert wurde die koreanische

Kampfkunstszene aber durch den Oh Do Kwan Begründer General Choi Hong-Hi.

General Choi und Oh Do Kwan

Choi, Hong-Hi hatte schon zu Beginn seiner militärischen Karriere (1946) damit begonnen, seine Soldaten

im Karate zu

unterrichten. Allerdings wollte er eine Kampfkunst entwickeln, die sich vom Karate unterschied und

diesem überlegen sei.

Mit Hilfe von Nam, Tae-Hi, der beim Militär Tang Soo Do lehrte, begann er, aus Taek Kyon, Tang Soo Do

und Karate eine neues System zu entwickeln. Nam stellte auch die Verbindung zum Chung Do Kwan her

(damals die größte zivile Schule), von der viele Instruktoren, die nach dem Koreakrieg im Militär dienten,

zum Oh Do Kwan wechselten.

1952, während des Höhepunktes des Koreakrieges, beobachtete der koreanische Präsident Rhee Seung

Man eine Demonstration koreanischer Meister der führenden Kwans (u.a. Nam Tae Hi, der mit einem

Fauststoß 13 Dachziegel zertrümmerte) und war dermaßen begeistert, dass er General Choi den Auftrag

gab, die koreanischen Kampfkünste offiziell in das Ausbildungsprogramm des Militärs aufzunehmen.

1953 war die Entwicklung der neuen Kampfkunst dermaßen weit fortgeschritten, dass Choi, Hong-Hi und

Nam, Tae-Hi die Oh Do Kwan (Trainingshalle meines Weges) gründeten, welche zunächst nur auf das

Militär begrenzt war.

(Anmerkung: Die Dan-Graduierungen der (zivilen) Chung Do Kwan wurde durch die (militärische) Oh Do

Kwan anerkannt. Die Instruktoren der anderen zivilen Schulen mussten sich einer erneuten Prüfung

unterziehen, um ihren Dan-Grad anerkannt zu bekommen. Dies führte zu Schwierigkeiten in den

Beziehungen der Oh Do Kwan zu den anderen zivilen Schulen).

Ende 1953 kam es gewissermaßen zu einer Verschmelzung von Chung Do Kwan und Oh Do Kwan und

General Choi leitete auch diese größte zivile Schule (Chung Do Kwan).

Die Namensgebung „Taekwon-Do“ für die neue Kampfkunst

Die Mehrheit der zivilen Schulen betrachteten diese Entwicklung mit Sorge, da sie in der neuen Schule

eine mächtige Konkurrenz befürchteten. Deswegen einigten sie sich 1953 darauf, zu ihrem gemeinsamen

Vorteil den koreanischen Kampfkünsten den einheitlichen Namen Tae Soo Do zu geben.

Begünstigt durch seinen hohen militärischen Rang hatte General Choi aber genügend Macht, die

Kampfkunstszene zu beeinflussen. Er berief einen Namensgebungsausschuss ein, der aus führenden

Instruktoren, Historikern und prominenten Vertretern der Gesellschaft bestand und am 11.04.1955

einigte man sich auf den von ihm vorgschlagenen Namen Tae Kwon-Do.

Von diesem Zeitpunkt an ersetzte der neue Name alle anderen Bezeichnungen und es wurde offiziell,

auch in den zivilen Schulen, nur noch nach dem neuen System unterrichtet.

Geschichte - Teil 4

Geschrieben von Paul Weiler

Mittwoch, 15. März 2006

Die Gründung der ersten Organisationen

Dadurch, dass an der Namensgebung hauptsächlich die Vertreter der beiden größten

Schulen ( Chung Do Kwan und Oh Do Kwan) teilnahmen, fühlten sich die Meister der

anderen Stilrichtungen nicht dazu verpflichtet, das neue System zu unterrichten. Sie fühlten

sich noch der Korea Kong Soo Do Association verbunden, die während des Korea-Krieges

gegründet worden war. Persönliche Animositäten der Meister untereinander führten aber

dazu, dass der Versuch, die verschiedenen Stilrichtungen unter Korea Kong Soo Do

Association zu vereinigen, fehlschlugen. Hwang Kee, der erste Präsident der Korea Kong Soo

Do Association, der den Verband deswegen verlassen hatte, weil er nicht für das

Prüfungskomitee berücksichtigt worden war, gründete kurze Zeit später die Korea Tang Soo

Do Association und wollte Mitglied der Korea Amateur Sports Association werden. Seine

Bemühungen scheiterten allerdings an dem Widerspruch von Yoon Kwe Byung (Ji Do Kwan)

und Ro Byung Jik (Song Moo Kwan).

Die Korea Taekwon-Do Association (KTA, gegr. 1959)

Die Uneinigkeit und die persönlichen Differenzen machte sich General Hong-Hi Choi zunutze.

Er machte seinen Einfluss auf das Ministerium für Erziehung und die Korea Amateur Sports

Association geltend und gründete 1959 die KTA. General Choi gelang es nunmehr, auch die

Meister der anderen Stilrichtungen zu dieser Gründungsversammlung zu bewegen.

Gleichwohl gab es von Beginn an Unstimmigkeiten über die Namensgebung. Die Mehrzahl

der (kleineren) Kwans bestanden auf dem Namen Tang Soo Do, aber die beiden größten

Schulen und General Choi selbst setzen den Namen Korea Taekwon-Do Association durch.

Präsident: Hong Hi Choi (Oh Do Kwan)

Vize-Präsident: Bu Hwe Jang (Song Moo Kwan)

Vize-Präsident: Ro Byung Jik (Song Moo Kwan)

Vize-Präsident: Yoon Kwe Byung (Ji Do Kwan)

Director: Hwang Kee (Moo Duk Kwan

und weitere Vertreter von Chung Do Kwan.

Die KTA bestand nur bis April 1960 und brach dann auseinander. Hwang Kee nutzte die

Gelegenheit und gründete die Korea Soo Bahk Do Association. Mit der Hilfe eines

einflussreichen Politikers gelang es ihm, die Mitgliedschaft in der Korea Amateur Sports

Association zu erreichen. Die Mitglieder der KTA erhoben gegen die Anerkennung

Widerspruch und waren erfolgreich, weil nicht zwei unterschiedliche Verbände für einen

Sport anerkannt werden konnten.

Der Militärpusch von Park Chung Hee am 16.05.1961

Der Militärputsch von Park Chung Hee beeinflusste alle Aspekte des koreanischen Lebens.

Taekwon-Do war hier keine Ausnahme. (Anmerkung: Für General Choi endete die

militärische Karriere abruppt und er wurde als Botschafter nach Malaysia gesandt). Das

Ministerium für Erziehung drängte nunmehr darauf, Taekwon-Do wieder zu registrieren.Aber

auch die Sitzung am 12.07.1961 führte wegen der vielen Meinungsverschiedenheiten zu

keinem Ergebnis. Eine Lösung des Problems sollte dann endlich durch eine

„Vereinigungskonferenz“ gefunden werden. Mehrere Treffen fanden statt und schließlich

wurde, trotz Widerstandes Nam Tae Hi’s, am 22.09.1961 die Korea Taesoo-Do Association

gegründet. Der erste Präsident wurde Choi Myung Shin.

Die Gründung der International Taekwon-Do Federation (ITF, gegr. 22.03.1966)

Nach seiner Rückkehr aus Malaysia beschwerte sich General Choi darüber, dass der Name

Taekwon-Do in Taesoo-Do verändert worden war. Er unternahm jegliche Anstrengungen

(sein Einfluss auf viele Lebensbereiche in Korea war immer noch sehr groß), um Taekwon-

Do wieder zu etablieren. Im Januar 1965 wurde er der dritte Präsident der Korea Taesoo-Do

Association und löste Park Jung Tae ab. Nach langem hin und her und vielen Diskussionen

änderte Choi den Namen des Verbandes wieder in Taekwon-Do. Dies wiederum brachte ihm

die Feindselikeit vieler Mitglieder ein. Nach einem Jahr wurde Choi dazu gedrängt, den

Vorsitz des Verbandes abzugeben, weil ihm nur noch wenige Mitglieder folgen wollten.

Schließlich gab General Choi nach. Um nicht zum Spielball des Putschisten Park zu werden

und seine Idee eines internationalen Taekwon-Do Verbandes zu verwirklichen, berief er eine

Gründungsversammlung ein. Am 22.03.1966 wurde im Choson Hotel in Seoul die

International Taekwon-Do Federation (ITF) gegründet. Gründungsmitglieder waren:

Arabische Emirate, Italien, Korea, Malaysia, Singapur, Türkei, Vereinigte Staaten von

Amerika, Vietnam und West-Deutschland. General Choi Hong-Hi wurde der erste Präsident

der ITF und blieb dies bis zu seinem Tod am 15. Juni 2002.

Die Gründung der World Taekwondo Federation (WTF, gegr. 28.05.1973)

Im Januar 1967 wurde Kim Yong Chae der fünfte Präsident der KTA. Es waren seine

Verdienste, dass das Wettkampfwesen weiter entwickelt wurde, dass KTA Instruktoren in

fremde Länder gesendet wurden und dass ein Hauptdojang gegründet wurde, aus dem

später das Gebäude des Kukkiwon entstand. Bemerkenswert ist an dieser Stelle, dass Kim

Yong Chae die Hauptarbeit für das Kukkiwon leistete, aber Kim Un Yong die Verdienste

dafür zugesprochen bekam. Am 23.Januar 1971 wurde Kim Un Yong zum Präsidenten der

KTA gewählt. Park Chung Hee bestimmte den Namen „Kukki-Taekwondo“, welches als

Koreas Nationalsport verkündet wurde. Am 30.11.1972 wurde das Kukkiwon eröffnet und im

Mai 1973 wurde die erste WTF-TKD-WM dort ausgerichet. Am letzten Tag der Veranstaltung

wurde die WTF gegründet.

Die weitere Entwicklung der ITF

Am 03.01.1972 verließ Choi Korea um nach Kanada auszuwandern. Den Sitz der ITF

verlegte er nach Toronto, wo er fortan wohnte. Am 4. und 5. Oktober 1974 wurde die erste

ITF-TKD-WM in Montreal ausgerichtet. Im Frühjahr 1985 wurde der Sitz der ITF nach Wien

verlegt und im selben Jahr wurde das 15-bändige Taekwon-Do Lexikon veröffentlicht. In den

Jahren danach verbreitete Choi Hong-Hi sein Taekwon-Do in den ehemaligen Staaten der

Sowjetunion, Japan und China. Dass er auch nach Nordkorea ging, um Taekwon-Do zu

verbreiten, hat ihm sehr viel Kritik eingebracht. Am 15.06.2002 verstarb General Choi

Hong-Hi nach langer, schwerer Krankheit mit 83 Jahren in einem Krankenhaus in

Pyongyang.

Geschichte - Teil 5

Geschrieben von Paul Weiler

Mittwoch, 15. März 2006

Der "gemeinsame" Weg

Im Jahre 1965 besuchte ein koreanisches Demonstrationsteam unter der Leitung des höchsten Dan-

Trägers und Vaters des Taekwon-Do, Choi Hong-Hi, Afrika, den vorderen Orient und Europa. Im Oktober

des Jahres gelangte dieses Team auch nach Deutschland und zeigte Vorführungen in Frankfurt, Garmisch,

München und Berlin. Mitglieder dieses Teams waren:

HAN, CHA-KYO 6. Dan (später USA)

KUM, JUN-KUN 5. Dan

KWON, JAE-HWA 5. Dan (später Bundestrainer in

PARK, JONG-SOO 5. Dan (später Nationaltrainer in Holland)

In der Folgezeit entwickelte sich das TKD in erster Linie in den Schulen und Vereinen, die hauptsächlich

durch koreanische Trainer geleitet wurden.

(Anmerkung: Es gab zwar schon vorher koreanische Trainer in Deutschland, die TKD in kleineren Kreisen

bekannt gemacht hatten (z. B. im Ruhrgebiet), aber der richtige Aufschwung gelang dem TKD erst nach

den Vorführungen des Demonstrationsteams). So begann z. B. Kwon Jae Hwa am 01.05.1966 in der

Kampfsportschule von Carl-Wiedmeier (München) TKD zu unterrichten. Kwon Jae Hwa arbeitete zu dieser

Zeit eng mit der ITF zusammen und hat sich vor allem im süddeutschen Raum große Verdienste um das

Taekwon-Do erworben.

Anfängliche Wettkämpfe organisierten die Schulen und Vereine untereinander. Erst 1967 wurde der

„Deutsche TKD Verband“ gegründet und im gleichen Jahr kam es zur Ausrichtung der 1. Deutschen TKDMeisterschaft.

1968 wurde mit dem „Südwestdeutschen TKD Verband“ ein weiterer Verband gegründet,

der sich noch im gleichen Jahr dem Deutschen Judo Bund (DJB) anschloss und ebenfalls eine „Deutsche

Meisterschaft“ ausrichtete.

Die vorbezeichnete Uneinigkeit wurde leider über viele Jahre Richtung weisend für das TKD in

Deutschland.

Die nachfolgenden Jahre mussten Aufschluss darüber geben, welche der Organisationen sich in der

Zukunft würde behaupten können. Die Sektion TKD im DJB hatte dabei den Vorteil, dass sie von der

Organisationsstruktur des DJB profitieren konnte und sich Kwon Jae Hwa, nachdem er nicht mehr mit

Carl Wiedmeier zusammenarbeitete, der TKD Sektion anschloss.

Am 29.10.1971 wurde Heinz Marx Bundesvorsitzender der Sektion TKD. Einen Tag später wurde Kim

Kwang Il als 1. Bundestrainer seines Amtes enthoben, und Kwon Jae Hwa sein Nachfolger.

Im Februar des folgenden Jahres besuchte Choi Hong Hi die Sektion und erinnerte an das Abkommen

„über freundschaftliche Zusammenarbeit auf internationaler Ebene“ aus dem Jahre 1968. Heinz Marx ging

aber keine weitere Verpflichtung gegenüber der ITF ein.

Nachdem Kwon Jae Hwa im folgenden Jahr Deutschland in Richtung USA verlassen hatte und Heinz Marx

„Executive Member“ der neu gegründeten WTF wurde (28.05.1973), war der „Bruch“ mit der ITF perfekt.

Der Weg der ITF in Deutschland

Parallel zu der TKD Sektion im DJB existierten enorm viele Schulen und Vereine, die von Beginn an über

ihre koreanischen Instruktoren mit der ITF zusammenarbeiteten. Der vernünftige Aufbau einer ITFOrganisation

in Deutschland scheiterte aber an vielen Faktoren, die von persönlichen Differenzen bis hin

zu Unterschlagungen geprägt waren. Selbst für Großmeister Choi Hong-Hi müssen diese Missstände

zuviel gworden sein, denn er forderte bei einem Besuch in Deutschland 1982, dass der nationale Verband

in Deutschland von einem deutschen Vorstand geleitet werden sollte. 1981 wurde die ITF-Germany, wie

sie damals hieß, durch einen Umstand nochmals erheblich geschwächt: Eine Anzahl koreanischer

Instruktoren, die bis dahin mit der ITF zusammengearbeitet hatten, gründeten mit ihren Schulen und den

von ihnen ausgebildeten Schülern, die ebenfalls in Schulen und Vereinen als Trainer arbeiteten, den

Deutschen TKD Bund (DTB), um sowohl von der ITF als auch von der WTF unabhängig zu sein.

Die Jahre 1982-1989

Im August 1982 wurde die ITF-Deutschland, mit Sitz in Kassel, gegründet. Dort wohnte der einzig

verbliebene koreanische Trainer, der die Verbindung zur ITF aufrechterhielt. Er war der technische

Direktor der ITF-D und gleichzeitig der Vorsitzende des Disziplinarausschuss im Weltverband. Anfänglich

sah es so aus, als sollte sich die ITF-Deutschland (ITF-D) von dem „Aderlass“ im Jahre 1981 wieder

erholen. Es wurden aber erneut zu viele Fehler gemacht und der Verband dermaßen

heruntergewirtschaftet, dass er Ende 1988 kurz vor der Auflösung stand. Im Dezember trafen sich die

wenigen noch verbliebenen Vereine, um über die Zukunft der ITF-D zu sprechen. Es wurde ein Konzept

erarbeitet, wie der Verband zu retten sei. Am 16.04.1989 kam es zu Vorstandsneuwahlen und Paul Weiler

wurde einstimmig zum 1. Vorsitzenden gewählt. Mit dem neuen Vorstand und der Verlegung des Sitzes

von Kassel nach Köln, konnte die Arbeit beginnen.

Die ITF seit 1989

Die größte Schwierigkeit des Neuaufbaus bestand darin, verlorengegangenes Vertrauen zurück zu

gewinnen. Zu oft waren die Trainer und Schüler enttäuscht worden, und deswegen dementsprechend

kritisch.

Demzufolge musste Leistung überzeugen, sowohl im organisatorischen als auch im technischen Bereich.

Im Juli 1989 kehrte das Deutsche Nationalteam von den 13. Weltspielen der Jugend und Studenten

bereits mit beachtlichen Erfolgen zurück und die Mitgliederzahlen stiegen wieder kontinuierlich an. Dieser

Trend setzt sich immer noch fort.

Erfolge bringen jedoch auch Neider, und diese versuchten, die ITF-Deutschland mit heftigen

Störmanövern aller Art von ihrem neuen Kurs abzubringen. Dass dieses nicht gelang, ist u. a. auch auf

die TKD-Tugend des Durchhaltevermögens und auf die geleistete Arbeit zurück zu führen.

Die ITF-Deutschland hat mittlerweile ca. 5.000 Mitglieder (nur der polnische Verband hat in Europa mehr

Mitglieder). Die sportlichen Erfolge zeigen, dass die ITF-D International immer vorne dabei war (seit

1989 waren die Teams der ITF-D stets auf Medaillenrängen!), und organisatorisch hat die ITF-D ebenfalls

große Erfahrungen gesammelt und Fortschritte erzielt.

Diese gipfeln in der Ausrichtung der diesjährigen 14. ITF-Taekwon-Do Weltmeisterschaft in Dortmund,

vom 28.07.2005 – 31.07.2005.

Damit wird erstmalig in der Geschichte der ITF die WM in Deutschland ausgetragen, und zwar 40 Jahre,

nachdem das erste ITF-Demo-Team unter der Leitung von General Choi nach Deutschland kam (siehe

oben) und 50 Jahre nach der Namensgebung Taekwon-Do durch den Begründer Choi Hong Hi am

11.04.1955.